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Von der «Stunde Null» bis in die Zukunft

Traditionsgemäss fand die 150. Generalversammlung (GV) der Hypothekarbank Lenzburg am dritten Samstag im März in der Lenzburger Mehrzweckhalle statt. Selbst das frühlingshafte Wetter hielt fast 1100 Aktionäre nicht vom GV-Besuch ab.

26. April 2019

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Zum Auftakt präsentierte die Regionalbank einen von virtuellen Lichteffekten geprägten Kurzfilm, der zum Abschluss der 150-Jahr-Feierlichkeiten der Hypi im letzten Jahr gedreht worden war und die Digitalisierungsbestrebungen der Bank visualisierte. Nach dem Film dankte VR-Präsident Gerhard Hanhart der Stadt Lenzburg für ihr Jubiläumsgeschenk: ein Bild des Kunstmalers Fritz Huser mit dem Titel «Stunde Null», das symbolisch für die Reise der Hypi in die Zukunft stehe. So jedenfalls könne das Bild, welches den blauen Planeten auf seiner Reise vom Urknall in die Zukunft darstellt, interpretiert werden. «Die Zukunft für die Hypi ist allerdings trotz der Unsicherheiten, welche die Bankenwelt kennzeichnet, weitaus klarer als die schemenhaften Visualisierungen auf dem Bild», ergänzte Hanhart.

Aktive Rolle in der Digitalisierung

Mit diesen Worten leitete Hanhart geschickt zur Entwicklung der Hypi im Jubiläumsjahr über. So hat die Hypi 2018 nicht nur gefeiert. Vielmehr wurden im letzten Jahr auch einige Meilensteine gesetzt: Bereits im Januar begann die Kooperation mit der Sonect AG, deren App es den Kunden der Hypi erlaubt, in den Läden Bargeld zu beziehen. Im November wurde dieses Angebot mit dem Start der ersten firmenübergreifenden Open-Banking-Plattform der Schweiz noch erweitert. Gemeinsam mit dem Fintech-Unternehmen NEON Switzerland lancierte die Lenzburger Regionalbank eine Plattform, die es deren Kunden erlaubt, in über 1500 Läden mit der Sonect-App Bargeld zu beziehen. Unter anderem ist dies an Kiosken möglich. «Mit dieser neuen Art, Bargeld zu beziehen, dürften die Tage mancher Bancomaten wohl gezählt sein», so der VR-Präsident.

Eigene Software Finstar ermöglicht Kooperationen

Diese Beispiele zeigen den schnellen Fortschritt in der Digitalisierung auf. Hier ist die Hypi ein aktiver Player und nutzt die Chancen der eigenen Kernbankensoftware Finstar. Mit der Open-Banking-Software können denn auch verschiedene Modelle zu einer Einheit zusammengeführt werden. Neben der erwähnten Möglichkeit, dank der App eines Partners Bargeld zu beziehen, können die Hypi-Kunden von neuen automatischen Steuerauszügen profitieren, die dank der Integration der neuen Steuermodelle von TaxLevel möglich wurden.

Auch der landesweit grösste Immobilien- und Hypothekardienstleister Avobis nutzt Finstar zur digitalen Abwicklung der Hypothekarkredite. Schliesslich konnte im Bereich der Geldanlagen dank der Kooperation mit Deposit Solutions ein digitaler Vertriebskanal für Festgeldanlagen geschaffen werden. Die offene Bankensoftware bietet aber noch weiteres Entwicklungspotenzial zum Nutzen der Anwender und der Hypi. Darum setzt die Hypi weiterhin auf den Ausbau des digitalen Angebots und wird in diesem Bereich auch weitere Investitionen tätigen. Mit den zusätzlichen Erträgen begegnet das Finanzhaus den anhaltend schrumpfenden Margen im Zinsgeschäft und den daraus resultierenden Mindereinnahmen.

Wie in den Vorjahren führte Hanhart die GV sehr speditiv und verzichtete auf eine Darstellung des Lageberichts der Hypi und das Verlesen der Kennzahlen der Erfolgsrechnung. Er verwies auf den ausführlichen Geschäftsbericht, der online verfügbar ist und in Papierform bestellt werden kann.

Digital Hypi Experience

Ereignisreiches Jubiläumsjahr

Einen kurzen Überblick über das Jubiläumsjahr lieferte CEO Marianne Wildi. Sie sei sehr erfreut über die zahlreichen Aktivitäten gewesen, die es der Hypi erlaubt hätten, auch die enge Verbundenheit der Bank mit ihrer Wirtschaftsregion zu betonen. Wildi bezeichnete es als «lässig», dieses grossartige Ereignis zusammen mit den Kunden und Aktionären feiern zu dürfen. Zu ihren persönlichen Höhepunkten im Jubiläumsjahr gehörten die Auswahl der Jubiläumsrosen und das Feuerwerk mit musikalischer Untermalung auf Schloss Lenzburg. Auch bei den Festivitäten war die Digitalisierung stets ein Thema: So konnten die Interessenten dank Virtual Reality-Brillen vom Tresorraum der Hypi aus in die verschiedenen Orte des Geschäftsgebiets starten und so einen kompletten Überblick über die Region erhalten. «Mit organisierten Busreisen wäre die Reichweite deutlich geringer ausgefallen», erklärte Wildi auch gleich den konkreten Nutzen der VR-Brillen.

Mehrmarken-Strategie und «Duzis-Kultur»

Dass die Hypi stets offen für Neues und Veränderungen ist, wurde im Jubiläumsjahr 2018 auch durch die Einführung einer Mehrmarken-Strategie gepaart mit einem neuen Webauftritt deutlich gemacht. Die Hypi führt nun neben der Hypothekarbank Lenzburg auch Finstar und das Vermögensverwaltungsgeschäft HBL Asset Management aktiv als eigene, nach aussen sichtbare Marken.

Aber nicht nur der neue Aussenauftritt reflektiert die Bereitschaft, sich zu ändern, der Hypi. Flexible Arbeitszeitmodelle und eine «Duzis»-Kultur, die bei der Hypi auf allen Stufen bis hin zum Verwaltungsrat gelebt wird, sind nur zwei entsprechende Beispiele. Um den Herausforderungen des raschen Wandels begegnen zu können, wurde die Geschäftsleitung von vier auf sechs Personen erweitert. «Dies erlaubt flache Hierarchien und eine schnelle Reaktion auf neue Herausforderungen», begründet Wildi den Schritt. Diese Herausforderungen sieht sie vor allem bei der Entwicklung neuer Produkte, aber auch bei der Einhaltung der regulatorischen Vorschriften.

Erträge von Finstar legen um 21 % zu

Wildi stellte noch die wichtigsten Zahlen des Geschäftsjahres 2018 vor. Für die Hypi steht die solide Finanzierung an erster Stelle. So übertrifft die Hypi mit einer Eigenmittelquote von 19,8 % denn auch die gesetzlichen Vorgaben von 12,2 % klar. Das Wachstum der Ausleihungen konnte vollumfänglich durch neue Kundengelder refinanziert werden. Dennoch musste die Hypi im Zinsengeschäft einen weiteren Rückgang der Zinsmarge von 1,09 % auf 1,05 % verbuchen, der gleichzeitig zu einem tieferen Zinserfolg führte. Weiterhin positiv mit einem neuen Rekordertrag entwickelten sich die Finstar-Erträge. Diese legten um 21 % zu und überschritten erstmals die Schwelle von CHF 5 Mio.

Aber auch im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft konnte trotz des harzigen Umfeldes ein Plus verzeichnet werden. Der tiefere Zinserfolg und die Investitionen in zusätzliche Angebote führten zu einem um 5,6 % rückläufigen Reingewinn von CHF 20,8 Mio. Die Aktionäre erhalten dennoch eine Dividende von CHF 110.– pro Aktie, was dem Wert der Vorjahre exklusive der Sonderausschüttung im Jubiläumsjahr entspricht. Für die Hypi ist die Kontinuität auch bei den Ausschüttungen ein wichtiger Faktor. «Angesichts der soliden Finanzierung ist die Ausschüttung auch bei einem rückläufigen Ertrag vertretbar», zeigte sich der Verwaltungsratspräsident überzeugt.

Fünf neue Anlagemodelle

Eine wichtige Entwicklung war 2018 die Anpassung des Anlagegeschäfts an die Regelungen des neuen Finanzdienstleistungsgesetzes FIDLEG. Marianne Wildi zeigte den Aktionären einen Werbespot mit den fünf Anlagemodellen, welche die unterschiedlichen Kundenkategorien abdecken. Je nach Profil erhalten die Kunden bei ihren Investmententscheidungen mehr oder weniger Beratung durch ihren Anlageberater. Die Ermittlung der Kundenprofile in digitaler Form erfolgt auf der Basis der Behavioural-Finance-Theorie. Dabei werden die Risikoprofile der Kunden ausgewertet und auf der Basis der Resultate adäquate Lösungen geliefert.

Stark engagiert hat sich die Hypi auch im Bereich des Kleinbankenregimes der Eidgenössischen Bankaufsicht FINMA. Dieses Projekt hat das Ziel, die administrativen und regulatorischen Belastungen für kleinere Banken zu reduzieren. Beteiligen können sich nur Institute, die eine überdurchschnittliche Eigenmittelausstattung besitzen und über eine höhere Liquidität als bankengesetzlich vorgeschrieben verfügen. Das noch bis Ende 2019 laufende Projekt soll Erleichterungen für die beteiligten Banken bringen. In welcher Form und welchem Umfang diese ausfallen werden, ist noch offen.

Diskussionsloser Abstimmungsmarathon

Im Anschluss an die Ausführungen Wildis startete Gerhard Hanhart den Abstimmungsmarathon. Dabei verzichteten die Anwesenden auf Fragen. So konnten die Abstimmungen speditiv durchgeführt werden. Hanhart fand immer wieder eine Gelegenheit, die Stimmung aufzulockern und die Aktionäre bei Laune zu halten. Sämtliche Abstimmungen erfolgten mit jeweils sehr grossen Mehrheiten im Sinne der Anträge des Verwaltungsrats.

Nach dem Abarbeiten des offiziellen Teils zogen die Aktionäre weiter zum Nachtessen, das traditionsgemäss in den drei Restaurants Hotel Krone, Hotel Ochsen, Hotel Lenzburg und in diesem Jahr neu auch im alten Gemeindesaal stattfand. Bei Aargauer Braten und einem guten Glas regionalem Wein wurden die Diskussionen in informellem Rahmen fortgesetzt. Wiederum überzeugten sowohl der Service an den Tischen als auch die Qualität des Essens. So bleibt den Aktionären auch die 150. GV in guter Erinnerung.

 

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