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Zinsprognose Schweiz: Begrenztes Potenzial für ausgeprägte Zinserhöhungen

In den vergangenen Wochen machten Zinserhöhungsfantasien die Runde und wurden von der zunehmend restriktiveren Tonalität der internationalen Zentralbanken zusätzlich befeuert. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) lässt sich davon bislang wenig beeindrucken: Sie belässt ihren Leitzins im September 2026 unverändert bei 0 Prozent. Aufgrund der leicht höheren Inflationsprognose passen wir unsere Zinsprognose leicht an und rechnen neu mit zwei Zinsschritten von jeweils 25 Basispunkten im Jahr 2027.

28. September 2026

Grafik Zinsprognose September 2026 1920X1080 Edit

Schweizer Zinssätze im Vergleich (Zinssätze in %). Während die SNB weiterhin keinen unmittelbaren Handlungsbedarf signalisiert, haben die Zinsmärkte bereits deutlich reagiert. (Daten: Bloomberg/Grafik: HLB Asset Management)

Seit dem Treffen der internationalen Zentralbanker in Jackson Hole hat sich die geldpolitische Grosswetterlage spürbar verändert. Höhere Energiepreise haben die Inflation international wieder angefacht und sowohl die US-Notenbank als auch die europäische Zentralbank haben ihre Leitzinsen zuletzt erhöht. Auch in der Schweiz hat dies Spuren an der Zinskurve hinterlassen.

Die SNB selbst bleibt dagegen bemerkenswert gelassen. Zwar ist die Inflation von 0,6 Prozent im Mai auf 0,8 Prozent im August gestiegen und auch die bedingte Inflationsprognose wurde leicht nach oben angepasst. Gleichzeitig bezeichnet die Nationalbank ihre aktuelle Geldpolitik weiterhin als angemessen und sieht lediglich einen leicht höheren mittelfristigen Inflationsdruck. Das ist eine wichtige Botschaft.

Mehr Inflation – aber vor allem wegen der Energiepreise

Die Ursache des jüngsten Inflationsanstiegs ist schnell gefunden. Hauptverantwortlich waren erneut die höheren Preise für Erdölprodukte. Im vierten Quartal dürfte die Inflation gemäss SNB deshalb nochmals etwas zulegen und vorübergehend rund 1,2 Prozent erreichen. Danach erwartet die Nationalbank bereits im Verlauf von 2027 wieder einen Preisrückgang unter der Voraussetzung, dass der Effekt der höheren Energiepreise nachlässt.

Im Jahresdurchschnitt prognostiziert die SNB eine Inflation von 0,7 Prozent für 2026 sowie jeweils 0,8 Prozent für 2027 und 2028. Damit wurde der Inflationspfad gegenüber Juni zwar leicht angehoben, bleibt aber über den gesamten Prognosezeitraum komfortabel innerhalb des Bereichs der Preisstabilität.

Besonders relevant für unsere Einschätzung ist dabei ein Detail: Diese Prognose basiert auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum bei 0 Prozent bleibt. Mit anderen Worten: Selbst ohne eine einzige Zinserhöhung erwartet die SNB bis 2029 nur einen geringen Anstieg der Inflation, die sich nur sehr langsam der Obergrenze ihres Zielbandes von 2 Prozent annähert.

Mehr Wachstum – aber kein Boom

Auch die Schweizer Konjunktur hat sich besser entwickelt als noch im Juni erwartet. Das Bruttoinlandprodukt wuchs im zweiten Quartal ausserordentlich stark und die SNB erhöhte ihre Wachstumsprognose für 2026 von zuvor rund 1 Prozent auf neu 1,5 bis 2 Prozent.

Allerdings relativiert ein genauerer Blick die Wachstumsaussichten der SNB. Die Entwicklung wurde wesentlich durch ein aussergewöhnlich starkes Quartal der chemisch-pharmazeutischen Industrie geprägt. Zwar war das Wachstum auch ohne diesen Effekt solide und breiter abgestützt als in der jüngsten Vergangenheit, gleichzeitig bleibt aber die Kapazitätsauslastung insbesondere in der Industrie unterdurchschnittlich und die Arbeitslosigkeit ist nochmals leicht angestiegen. Für 2027 erwartet die SNB weiterhin ein Wachstum von rund 1,5 Prozent.

Die Schweizer Wirtschaft präsentiert sich damit robuster als noch vor einigen Monaten erwartet. Von einer Überhitzung, die geldpolitisch gebremst werden müsste, kann jedoch keine Rede sein.

Der Markt ist der SNB bereits einen Schritt voraus

Während die SNB weiterhin keinen unmittelbaren Handlungsbedarf signalisiert, haben die Zinsmärkte bereits deutlich reagiert. Der dreijährige SARON-Swap liegt mittlerweile bei rund 0,63 Prozent, der fünfjährige bei 0,72 Prozent und der zehnjährige bei 0,84 Prozent. Bei einem aktuellen SARON-Fixing von –0,04 Prozent weist die Schweizer Zinskurve damit wieder eine ausgeprägte Steilheit auf.

Der Markt nimmt damit bereits einen guten Teil einer zukünftigen Normalisierung der Geldpolitik vorweg. Genau hier sind wir zurückhaltender. Die robustere Konjunktur, der schwächere Franken und die etwas höhere Inflation rechtfertigen durchaus höhere langfristige Zinsen als noch vor einigen Monaten. Allerdings gehen wir weiter davon aus, dass die Summe der Zinserhöhungen der SNB geringer ausfallen wird als beispielsweise der vergleichbare Wert der EZB. Für entsprechende Leitzinserhöhungen liefert die aktuelle Inflationsprognose der SNB aus unserer Sicht wenig Argumente.

Nach dem vorübergehenden Anstieg der Inflation bis Anfang 2027 erwartet die SNB bereits wieder einen Rückgang und anschliessend Teuerungsraten von weniger als 1 Prozent. Und dies unter der ausdrücklichen Annahme eines unveränderten Leitzinses von 0 Prozent. Sollten die vom Markt erwarteten Zinserhöhungen ausbleiben, wäre deshalb ein Teil des jüngsten Anstiegs der SARON-Swap-Sätze wieder korrekturanfällig.

Fazit: Viel eingepreist – wenig Handlungsdruck

Unser Basisszenario bleibt deshalb bei lediglich zwei Zinssatzerhöhungen der SNB bis Ende 2027. Neu gehen wir davon aus, dass die Nullzinsen der SNB bis Ende 2026 Bestand haben werden. Für das erste und das zweite Halbjahr 2027 rechnen wir mit je einer Zinserhöhung von 25 Basispunkten. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung ist gegenüber unserer letzten Prognose also weiter gestiegen. Mit ersten Zinserhöhungen im Jahr 2027 ist zu rechnen. 

Mit unserer Prognose positionieren wir uns bewusst etwas vorsichtiger als der Zinsmarkt. Für einen ausgeprägten weiteren Anstieg der langfristigen CHF-Zinsen sehen wir von den heutigen Niveaus aus gegenwärtig nur begrenztes Potenzial.

Für Hypothekarnehmer hat sich das Zinsumfeld gegenüber dem Frühjahr zwar verteuert. Angesichts der mittlerweile deutlich steileren Zinskurve ist ein guter Teil der erwarteten geldpolitischen Normalisierung bereits in den längerfristigen Zinsen enthalten. Nach den von uns prognostizierten Zinsschritten sehen wir nur begrenztes Potenzial für einen weiteren deutlichen Anstieg der langfristigen Hypothekarzinsen.

Aktuelle Zinsprognose HBL Asset Management

 per 28. September 2026 (SARON = Swiss Average Rate Overnight)

Aktuell (28.09.2026)

In 3 Monaten

In 6 Monaten

In 12 Monaten

SNB-Leitzins

0.00%

0.00%

0.25%

0.50%

SARON Swap 3 Jahre

0.68%

0.70%

0.75%

0.80%

SARON Swap 5 Jahre

0.77%

0.80%

0.85%

0.90%

SARON Swap 10 Jahre

0.91%

0.90%

0.90%

0.95%

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