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Ein Roboter hilft in der Corona-Krise

Das Jungunternehmen Expense Robot will Firmen mit seiner App eigentlich die Spesenabrechnung erleichtern. In der Corona-Krise ist das Start-up nun aber zur Nachbarschaftshelferin geworden.

2. April 2020

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Dank der App Expense Robot erhalten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Nachbarschafts-Hilfe Lenzburg ihre Auslagen für Einkäufe schnell und unkompliziert zurückvergütet, ohne dass Bargeld ausgetauscht werden muss. (Bild: Videostandbild Expense Robot)

Die Corona-Pandemie leistet der Digitalisierung Vorschub. Auch bei der Nachbarschafts-Hilfe Lenzburg. Sie bringt hilfsbedürftige Personen mit Leuten zusammen, die in dieser ausserordentlichen Situation helfen wollen. Etwa indem sie Lebensmittel einkaufen oder Medikamente besorgen.

Das Organisationskomitee koordiniert die Hilfseinsätze so weit als möglich auf dem digitalen Weg. «Für den Informationsfluss haben wir auf WhatsApp eine Gruppe eingerichtet, für die Hilfseinsätze führen wir eine Datenbank mit den Namen der Personen, die für Einsätze zur Verfügung stehen, und für die Geldtransaktionen stellen wir ein kontaktloses Zahlungssystem bereit», sagt Rafael Enzler, Mitinitiator der Nachbarschafts-Hilfe Lenzburg.

Für die Begleichung der Auslagen hat man sich für die App des Zürcher Start-ups Expense Robot entschieden. Bargeld sollte wegen des einzuhaltenden Abstands und der potentiellen Übertragung von der Krankheit nicht ausgetauscht werden. «Viele der hilfsbedürftigen Personen sind schon über 65 Jahre alt und sind mit Twint oder anderen Apps für die bargeldlose Geldübermittlung per Smartphone nicht vertraut. Dagegen sind die Helferinnen und Helfer meistens noch jung und mit dem Umgang von Smartphone-Apps gewohnt», sagt Enzler. Deshalb nutze man für das Hilfsprogramm nun den Expense Robot. Die App wurde in der ersten Woche der Nutzung bereits mehr als 50 Mal heruntergeladen.

Dank künstlicher Intelligenz vollautomatisch

Helferinnen und Helfer bezahlen die Einkäufe aus eigener Tasche. Die Quittungen für Ihre Auslagen können sie mit dem Smartphone in der Expense-Robot-App fotografieren und hochladen. Die restliche Datenverarbeitung in der App geschieht dank künstlicher Intelligenz vollautomatisch und in wenigen Sekunden. Die Zugangsdaten für das entsprechende Konto verwaltet die Nachbarschafts-Hilfe Lenzburg. Expense Robot übermittelt die Zahlungsdaten an die Hypothekarbank Lenzburg und die Bank überweist den Helferinnen und Helfern innerhalb von drei bis vier Arbeitstagen das ihnen zustehende Geld.

Die Personen, die die Hilfe in Anspruch genommen haben, brauchen keine App. Sie erhalten per Post eine Schlussabrechnung mit Einzahlungsschein von der Städtischen Hilfsgesellschaft Lenzburg. Die Hilfsgesellschaft sorgt für genug Liquidität, sodass Rückzahlungen auch erst erfolgen können, wenn sich die Lage in der Schweiz wieder etwas normalisiert hat und die hilfsbedürftigen Personen wieder ohne Gefahr auf die Bank oder Post gehen können.

Die Software sei eigentlich für die Spesenabrechnung für mittlere und grössere Unternehmen entwickelt worden, sagt Melanie Gabriel, Marketingverantwortliche und Mitgründerin von Expense Robot. «Dass die Technologie einmal als Tool für Nachbarschaftshilfe genutzt werden könnte, hätten wir uns noch bis vor ein paar Wochen nicht vorstellen können», so Gabriel weiter.

«Solidarischer Beitrag in der Corona-Krise»

Wie die Initiantinnen und Initianten der Nachbarschafts-Hilfe Lenzburg verzichtet auch die städtische Hilfsgesellschaft, die Hypothekarbank Lenzburg und das Jungunternehmen auf eine Entschädigung für Ihre Leistungen. «Bei der Entwicklung unserer Software war das Ziel klar: Es sollte maximal fünf Sekunden dauern, bis eine Quittung erfasst wird. Dass wir nun unsere App im Rahmen der Nachbarschafts-Hilfe Lenzburg zur Verfügung stellen können, erachten wir als einen solidarischen Beitrag zur effizienten Bewältigung der Corona-Krise», sagt Gabriel und findet sich selbst in einer neuen Rolle.

Noch im letzten März musste die Jungmanagerin zusammen mit ihren Gründungspartnern den Business Case von Expense Robot vor potenziellen Investoren vertreten. Mit Erfolg. So konnten sie für die Weiterentwicklung ihres Geschäfts 1,7 Millionen Franken einsammeln. «Dass wir nun auch für ein Hilfsprogramm genutzt werden, zeigt uns, dass wir ein wirklich brauchbares Produkt zu bieten haben», sagt Gabriel und lacht.

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